„Nie wieder“ – Ein Appell des Jugendrates Karlsfeld für Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

„Nie wieder“ – Ein Appell des Jugendrates Karlsfeld für Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages des Dachauer Todesmarsches

 

(KA) Vor genau 80 Jahren mussten sich am 26. April 1945 Tausende Dachauer Häftlinge auf einen Todesmarsch machen, der für mindestens 1.000 Häftlinge der letzte Weg war. In der Allacher Straße in Karlsfeld befindet sich eines von 22 Mahnmalen, das an den Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge kurz vor Kriegsende erinnert. Zum Gedenken an die Opfer veranstaltete die Gemeinde Karlsfeld nun zum dritten Mal am 26. April eine Gedenkveranstaltung, diesmal mit Unterstützung des Jugendrates Karlsfeld.

 

Zweiter Bürgermeister Stefan Handl, der die Veranstaltung vor drei Jahren ins Leben rief, begrüßte zu Beginn die Gäste – darunter mehrere Gemeinderäte, Gabriele Eggerz und Dr. Páll Eggerz vom Verein jadbjad sowie Rabbiner Baruch ben Mordechai Kogan – und hielt eine eindrucksvolle Rede.

 

Im Anschluss stellte der Jugendrat seinen Beitrag vor. Erster Vorsitzender Lorenz Stabl sprach von der Generation, die den Holocaust selbst nicht erlebt hat, jedoch spürt „dass die jetzige Welt ins Wanken gerät“. „Der Ton wird rauer, der Hass lauter und der Extremismus findet neue Wege, sich zu tarnen“. Deshalb ist es dem Jugendrat wichtig, die Erinnerung lebendig zu halten. Nicht nur, weil es richtig ist – sondern weil es notwendig ist, denn die Freiheit ist kein Dauerzustand. „Wir sind jung, aber nicht naiv. Deshalb sagen wir: Nie wieder. Und wir meinen es ernst“, bekräftigte Stabl. Wichtig sei dabei, die Geschichten, die Überlebende berichten, weiterzutragen, denn „bald wird niemand mehr leben, der davon erzählen kann“. 

 

„Nie wieder“ heißt, die Geschichte nicht nur auswendig zu lernen, sondern zu begreifen; sich trauen, den Mund aufzumachen – auf dem Schulhof, in der WhatsApp-Gruppe oder beim Familienfest; nicht zuzusehen, wenn andere diskriminiert, ausgelacht oder ausgeschlossen werden; Antisemitismus und jeglichen anderen menschenverachtenden Hass nicht zu ignorieren, nur, weil er subtil oder „ironisch“ daherkommt sowie Verantwortung zu übernehmen, auch wenn es unbequem ist.

 

„Wir sind die Zukunft – also tragen wir auch Verantwortung für sie. Es geht um uns. Um die Welt, in der wir leben wollen. Um Gerechtigkeit, um Frieden, um Solidarität.
Wir sind jung – aber wir sind nicht machtlos. Und genau deshalb stehen wir auf, gemeinsam. Für Menschlichkeit. Für Vielfalt. Für das Leben“, so lautete das Versprechen des Jugendrates Karlsfeld.  

 

Um den Menschen die Thematik näherzubringen, las der zweite Vorsitzende des Jugendrates, Jiyan Göcer, nach der ergreifenden Rede die Geschichte des Zeitzeugen Peter Perel, der im jungen Alter der grausamen Realität des Nationalsozialismus ausgeliefert war, vor. Er überlebte durch seine unglaubliche Stärke und durch die Hilfe eines Menschen, der nicht wegsah, wo andere schweigen, und ihn versteckte. Nach dem Krieg genoss er eine exzellente Schulausbildung, studierte und besuchte immer wieder die KZ-Gedenkstätte und die Internationale Jugendbegegnung in Dachau, bis er im September 2024 im Alter von 96 Jahren verstarb.  

 

Anschließend bestritten die Gäste am 26. April 2025 gemeinsam einen Teil der bekannten Strecke bis zum Mahnmal an der Allacher Straße, an dem der Zweite Bürgermeister Stefan Handl einen Kranz niederlegte, die Jüdische Gemeinde einen Apell sprach und für die Betroffenen betete.

 

Für nächstes Jahr ist wieder eine Gedenkveranstaltung am 26. April in Karlsfeld geplant, damit wir alles dafür tun, dass das „Nie wieder“ nicht nur gesagt – sondern wirklich gelebt wird.

 

 

Foto: Lorenz Stabl, 1. Vorsitzender des Jugendrates Karlsfeld